Social Media Ausbildung: Perfektionist

Social Media ist ein fester Bestandteil unseres Lebens, sei es Instagram, Snapchat oder Facebook. Diese Netzwerke haben es geschafft eine Generation damit zu prägen, sich als eigene Marke im Netz zu positionieren und nach Perfektionismus zu streben.

Du kennst sicherlich noch die Zeit damals, als du rausgegangen bist und ohne nachzudenken das getan hast, woran du Spaß hattest. Eben ganz allein für dich. Heutzutage sieht das anders aus. Zuerst muss der Akku geladen sein, dann müssen Fotos gemacht werden, um diese anschließend mit der Welt zu teilen. Nach zehn Minuten Selfie-Shooting, „kurz“ nen Snap hochladen und dann kann es zum Sport gehen. Du musst den Leuten doch sagen, dass du jetzt ins Fitnessstudio gehst. Wenn du das nämlich nicht tust, ist es gar nicht wirklich passiert – hat ja keiner mitbekommen.

„Du bist nur das, was du postest.“

Warum so einen Aufwand? Das ist die Frage, die du dir dabei stellen solltest. Ganz einfach. Der Moment zeigt anderen, dass du etwas für deinen Körper tust und macht dich nach außen besser als jeder, der gerade alleine auf der Couch liegt – #noexcuses und so. Du zeigst wie stark und ehrgeizig du bist. Naja. Für den einen Moment. Den Rest postest du ja nicht. Außerdem hat doch bei den ganzen Verpflichtungen – Netflix & Chill – keiner mehr Zeit. Zeit ist nur begrenzt verfügbar und dann nutzt du sie für Sport. Dadurch bist du besonders und außerdem: das was selten ist, möchte jeder haben.

Kein Platz für Schwäche: Selbstoptimierung

Das führt mich weiter zum Thema Selbstoptimierung, das in den Köpfen groß verankert ist. Alles ist im Netz irgendwie verfügbar. Du musst dich nicht mehr alleine mit einem Problem rumschlagen, dass du vielleicht nur halb so gut selbst gelöst hättest. Also kurz zu Google, Problem eingeben und die Antwort mit den meisten Votes wird die beste Lösung sein. Uns reicht es nicht nur das Problem irgendwie selbst zu lösen, sondern wir wollen das beste Ergebnis. Schließlich ist sie nur ein Klick entfernt.

Wir können alles nachlesen. Das verführt uns so sehr zum Perfekt sein, denn alles ist ja verfügbar. Hast du Interesse für etwas, dann liest du nach wie es am Besten funktioniert. Die Generation Y gehört nicht zu den Machern. Sie überlegen vorher lieber unzählige Male, wie man es anpacken müsse, statt es einfach zu tun wie man denkt. Nachdem du dich nun schlau gelesen hast, legst du dir ein Profil bei Instagram an, folgst Leuten mit hoher Reichweite, die schon länger fürs Thema brennen und lädst immer deinen Fortschritt hoch – natürlich nur wenn es gerade gut läuft. Schon hast du dein Starter-Kit zum Perfektionisten.

Gehen wir mal genauer auf die Leute ein denen du auf den sozialen Netzwerken folgst. Sie haben die schönsten Bilder, hohe Bekanntheit wegen vieler Follower und können etwas besonders gut. Ihr digitales Ich in Form ihres Profils ist geprägt von positiven Erlebnissen, denn negatives kennt nur das Real Life. Heutzutage sind diese Leute dein Maßstab. Kein Mittelmaß, sondern nur die Besten und Erfolgreichsten. Du darfst jedoch niemals vergessen, dass das perfekt hochgeladene Bild auch nur eines von 100 gemachten ist. Wo ist das Hobby geblieben, das wir damals angefangen haben nur um Spaß zu haben und nicht immer gleich der Beste / die Beste darin zu sein?

Du darfst niemals vergessen, dass jeder seine Probleme hat, doch die wenigsten sind so ehrlich und teilen diese auch. Stattdessen erschaffen sie mit Ihren Profilen perfekte Scheinwelten und wir fallen auch noch darauf rein. Wir fragen uns, warum wir nicht so ein tolles Leben haben und warum wir so viele Probleme haben oder kaum etwas aufregendes erleben. Wir würden gerne so sein wie diese Person. Nein. Nicht ganz. Wir wollen so sein wie das Profil dieser Person und eifern dem nach.

Aufmerksamkeit als Droge & Motivator

Fitness und Ernährung gehören wohl zu den größten Themen, dass uns heute im Alltag beschäftigt. Der Drang nach Perfektionismus und der Schrei nach Aufmerksamkeit ist, nach meinen Beobachtungen, hier am Größten. Daher möchte ich noch kurz hierzu etwas sagen und appellieren:

Besonders hier versuchen einige Leute sich abzuheben. Allerdings gibt es hier viele Überflieger, die andere dabei schlecht machen. Hauptsache Muskeln, die perfekten Rundungen und sich die letzte Freiheit nehmen, nur um äußerlich des heutigen perfekten Weltbilds näher zu kommen – nur schlank sein reicht nicht mehr. Sonst kann man sich ja nicht den anderen stolz zeigen und wäre wie jeder andere Normalo.

Bloß keine Pizza. Nur Gemüse, Fisch, Hähnchen etc. Süßes geht gar nicht. Wenn es einmal im Monat die Tafel Schokolade gibt, dann bitte nicht den Hashtag #cheatday oder auch #gönnen vergessen. Wir sind so sehr auf Perfektionismus getrimmt, dass wir uns so sehr einschränken und jegliche Freiheiten in den Schatten stellen. Es ist nur komisch, denn die Generation Y möchte doch eigentlich immer flexibler sein und Freiheiten wie ein Fass ohne Boden haben… Sich so sehr einzuschränken hat in meinen Augen nichts mit leben zu tun.  Ich frage mich ernsthaft in was für einer Zeit wir leben, wo es eine Sünde ist eine Pizza zu essen?

Jeder hat seinen eigenen Lebensstil und diesen gilt es zu akzeptieren. Sobald man sich aber über andere stellt und sich als etwas besseres darstellt, hört der Spaß auf. Weniger den Arsch in die Kamera halten, einen Gang zurückschalten und echte Taten sprechen lassen, die mehr als nur irgendeine Zahl im Profil steigen lassen.

Fazit

Trotz all diesen Dingen mag ich Social Media, denn es gibt mir die Möglichkeit mit Leuten, die das gleiche Interesse haben, zu verbinden. Doch nach wie vor möchte ich darauf sensibilisieren sich nicht zu sehr blenden zu lassen und vor allem aufzurufen, auch mal seine schlechten Erfahrungen mitzuteilen. Schwäche zeigen ist nicht schlimm. Es ist menschlich und bringt anderen viel mehr für den eigenen Lebensweg als immer nur das eine perfekte Bild des Tages. Ecken und Kanten sind wichtig. Stärke ist, sich nicht über andere lustig zu machen, sondern ihnen die Hand zu reichen und der Person beim aufstehen zu helfen.

Wir sollten alle viel mehr wie in unserer Kindheit leben. Da haben wir uns keine Gedanken über die Darstellung nach außen gemacht, sondern sind raus und haben nur wegen des Spaßes etwas unternommen.

Am Ende gilt doch nur, was wir getan und gelebt haben – und nicht, was wir ersehnt haben – Arthur Schnitzler.

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