Wie ich über 5000 Euro verbrannt habe und damit glücklich bin – Erfahrungen sind unbezahlbar

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen und ich habe mir die Zeit genommen um über die Erlebnisse in 2015 nachzudenken. Im Leben ist es ganz wichtig zu reflektieren. Ich habe in diesem Jahr über 5000 EUR verbrannt, bin glücklich über all die Erfahrungen und bin dadurch zu meinem persönlichen Lebenswerk gekommen.

Der Anfang des Puzzles – heute ist alles glasklar

Wir springen mal zurück an den Jahresanfang 2014, wo alles angefangen hat. Im Januar 2014 habe ich meine Ausbildung als Mediengestalter sehr erfolgreich abgeschlossen und habe im Anschluss daran weiter bei der Agentur Neoskop in Hannover gearbeitet. Zum Sommer hin wurde ich immer unglücklicher und hatte das Gefühl, dass ich etwas verändern muss. Ich habe angefangen mich überall zu bewerben – auch in Städten wie Berlin und Hamburg. Um die lange Geschichte etwas kürzer zu erzählen: ich habe Berlin komplett abgesagt, hatte ein lukratives Angebot zweier bekannte Firmen (Jimdo und Protonet) aus Hamburg und habe einem – nach langem hin und her – meine Zusage erteilt. Doch am Ende bin ich in Hannover geblieben. Mehr über die gesamte Geschichte im letzten Jahr kannst du hier lesen.

Nach der Zusage bin ich zur Unterzeichnung des Vertrages nach Hamburg. Es blieb nicht nur bei dieser einen Reise, denn ich musste einige andere Dinge, wie ein Zimmer, organisieren. Die Wochenenden wollte ich in meiner Heimat verbringen. Die BahnCard 50 für 255 EUR wurde gekauft, das Zimmer für 500 EUR im Monat gesichert und nichts stand dem Start in Hamburg im Wege – das habe ich gedacht. Zum Jahresende 2014 fühlte sich alles total falsch an. Ich wollte doch gar nicht so richtig alles verändern. Ich wusste doch nur einfach nicht was ich tun sollte, denn ich fühlte mich in jeglicher Hinsicht unglücklich. Es war soweit, dass ich morgens keine Lust mehr hatte aufzustehen und am liebsten die Tage durchgeschlafen hätte. Statt schrittweise zu schauen was ich ändern muss, habe ich direkt die Brechstange genommen: neues Umfeld, andere Arbeit, neue Wohnsituation und die Entfernung zur Familie / zu Freunden. Aus heutiger Sicht weiß ich, dass ich dafür einfach nicht bereit war. Ich habe Respekt vor jedem dem solch ein Schritt leichtfällt. Ich steh mir da viel zu sehr selbst im Wege und kann dem nicht offen entgegen gehen. Ich habe gelernt, dass man sich nicht zu sehr zu etwas zwingen sollte. Du musst klein anfangen und darauf aufbauen.

Hamburg… nicht meine Perle

Das Ende von Hamburg war, dass ich Anfang Januar – zum eigentlichen Start des neuen Lebensabschnitts – lediglich dort war, um Formalitäten zu klären. Ich musste dem Arbeitgeber meinen Sinneswandel erklären, die Sache mit dem Zimmer klären und es gab noch viele andere Kleinigkeiten zu erledigen. Es war nicht einfach, aber ich wusste genau was ich nicht wollte: mein Leben für einen Job umschmeißen. Ich habe 1000 EUR für das Zimmer gezahlt, dass ich kaum beansprucht habe, 250 EUR für die BahnCard50, die ich kaum nutzte und nicht zu vergessen die ganze Fahrtkosten für Vorbereitungen. Dazu kommt noch das ich auf ein Macbook verzichtet habe, kein Gehalt für 1,5 Monate bekommen habe und ich bis Februar arbeitslos war. Hamburg hat mich also rund 3000-4000 EUR gekostet.

Ich wollte damals den gedachten nächsten Schritt in Form eines Blogs öffentlich machen. Dementsprechend gab es viele Meinungen zu meinem Entschluss. Es wurde viel hinterm Rücken erzählt, aber kaum einer kam auf mich direkt zu. Einfacher ist es ja sich eine Meinung zu bilden auf dem was man gehört hat. Mir ist es völlig egal was die Leute gedacht haben, denn ich geh meinen ganz eigenen Weg. Wenn ich es für richtig halte, dann ziehe ich es auch durch.

Was andere haben will ich – ein großer Fehler

Mitte Februar 2015 habe ich bei smartsteuer als Frontend-Designer und -Entwickler angefangen. Nachdem ich mir in der Arbeitslosen Zeit viele Gedanken gemacht und oft gegrübelt habe, hatte ich meine neue Herausforderung gefunden. Tolle Aufgaben, ein großartiges Team und ich fühlte mich gut aufgehoben. Das ist auch noch heute so. Ich bin ein Typ der viel über sich und die erlebten Situationen nachdenkt um vor allem zu lernen. Es kam die Zeit als ich vielen bekannten Fotografen auf den sozialen Kanälen verfolgt habe und ich gesehen habe, was für eine Abwechslung sie im Leben haben – sie sehen unfassbar viel auf dieser Welt und lernen tolle Leute kennen. Dazu wurde ein Freund von mir in der digitalen Branche immer bekannter, reiste viel herum und hat auf Konferenzen vor Leuten gesprochen. All das wollte ich auch. Raus aus dem Büro und die Welt sehen. Weg von der Routine und rein in die Abwechslung.

Ein Sprachkurs für die Steuer

All das wollte ich auch. Ich wollte vor Leuten sprechen und mein Wissen bei Konferenzen weitergeben – auf Englisch. Mir war allerdings auch bewusst, dass ich mein Englisch deutlich aufbessern muss und entschied mich für einen Sprachkurs, der rund 2200 EUR gekostet hat. Im Juni habe ich damit angefangen und bis heute habe ich nicht so viel getan wie ich mir vorgenommen habe. Meine Zeit widme ich doch besser der Aufgabe, die mich erfüllt – später mehr dazu. Ich möchte dir nur sagen, dass du immer auf dich schauen solltest und nicht so sehr auf das was andere tun. Lass dich inspirieren, aber trete nicht in die Fußstapfen anderer, denn dann kannst du niemanden überholen. Tu das was dich glücklich macht. Gehe deinen eigenen Weg und höre nicht auf das was andere sagen. Um das wirklich zu verinnerlichen musste ich einen teuren Betrag bezahlen. Mach es besser als ich.

Puzzle zusammengesetzt: mein Lebenswerk

Mit dem Abschluss meiner Ausbildung habe ich den festen Pfad verlassen und stand vor 100 neuen Wegen. Ich musste mich ganz allein entscheiden, welchen davon ich nehmen möchte. Niemand stupst dich in eine Richtung. Die Zeit ist vorbei gewesen. Ich war überfordert. Kein Ziel vor Augen. Nun habe ich unfassbar viel Geld verbrannt, sehr viele Erfahrungen gemacht und kann doch am Ende das Puzzle zusammensetzen. Es ist wichtig zu reflektieren und aus allem die Nadel im Heuhaufen zu suchen – was bringt dich aus dem Erlebten wirklich weiter? Welche Erfahrungen hast du gemacht?

„Wenn du kein Ziel im Leben hast, dann gehst du nur spazieren.“- Steffen Böttcher

Hätte ich damals mit Hamburg nicht geliebäugelt, wäre ich nicht zu meinem persönlichen Lebenswerk gekommen: DorfstattStadt. Etwas wovon ich zum ersten Mal selbst überzeugt bin ohne das jemand anderes mir sagen muss, dass es gut sei. Ich steh einhundertprozentig hinter dieser Idee. Ich habe das gefunden wovon ich immer gesucht habe: ich kann damit etwas bewegen, viele Leute erreichen und etwas hinterlassen an das sich die Leute erinnern.

Ich sag es ehrlich: Mir ist Geld im großen und ganzen scheißegal. Das merkst du sicherlich, wenn du den Text gelesen hast. Ich muss hinter einer Sache stehen und nur dann kann ich das auch durchziehen – ganz oder gar nicht. Die Zahlen dabei sind mir egal. Die machen dich nicht glücklich. Ich arbeite viel lieber mit Menschen zusammen, versuche die Welt ein Stück besser zu machen und möchte versuchen zu helfen.

Das Geld auf dem Bankkonto ist nur eine Zahl. Überlege dir was du später deinen Freunden und Bekannten erzählst. Mach das worauf du Lust hast, setze dir nicht selbst zu sehr die Grenzen und genieße den Moment.

Über 5000€ weniger in der Tasche, aber mit vielen Erfahrungen und Kenntnissen über mich, kann ich heute wirklich sagen: ich bin glücklich mit dem was ich tagtäglich tue und genieße jeden einzelnen Moment. Ich habe in kurzer Zeit so viel lernen dürfen, dafür braucht manch einer sein ganzes Leben.

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