Facebook – die legale Tauschbörse oder was

Eine selbsterlebte Situation bei Facebook nehme ich als Anlass um diesen Artikel zu schreiben. Ich fühle mich in der Pflicht die Leute zu belehren, dass das Urheberrecht auf digitalen Plattformen dennoch Bestand hat. Wir sind hier nicht auf einer digitalen Tauschbörse an der sich jeder bedienen kann wie er lustig ist. Als Designer und somit kreativer Kopf für mich eine echte Herzensangelegenheit dies zu schützen!

Die Vorgeschichte zum Motiv

Um kurz zu erzählen, wie es dazu überhaupt gekommen ist und was für eine Geschichte hinter dem Motiv steckt. Ich bin für ein Kennenlernen zu engelbert strauss nach Biebergemünd gefahren, habe den Geschäftsführer kennenlernen dürfen und mir ein Bild von der Hauptzentrale machen dürfen. Für diesen Besuch habe ich mir im Vorfeld eine Kleinigkeit überlegt. Ich wollte im Namen aller Dorfkinder etwas mitbringen, da diese Firma etwas doch sehr Großes geschaffen hat und ich persönlich großen Respekt davor habe. Es muss eine Erinnerung her und so entschied ich mich den wohl populärsten Spruch künstlerisch darzustellen.

engelbert strauss ist das Prada der Dorfkinder.

Ich habe mich nachts hingesetzt und habe dieses Motiv in Photoshop entworfen. Meine Idee war es diese Grafik auf ein T-Shirt zu drucken und dem Geschäftsführer persönlich zu überreichen. So bin ich zur Druckerei gelaufen, habe das T-Shirt anfertigen lassen und bin damit nach Biebergemünd gefahren. Sie haben sich sehr über das Geschenk gefreut!

 

Ein Bild schlägt Wellen

Dieses Motiv hatte ich damals auch auf der Facebookseite von DorfstattStadt hochgeladen um den Leuten zu zeigen, welches Geschenk wir engelbert strauss gemacht haben. Anscheinend fand das nun aber auch eine andere Seite toll, die sich damit beschäftigt, Dorfkindmomente zu teilen. Die Seite bekam meine Aufmerksamkeit als ich darauf hingewiesen wurde, dass mein Motiv offensichtlich dort hochgeladen wurde.

Der ursprüngliche Beitrag wurde nicht geteilt, sondern das Bild wurde gespeichert und erneut hochgeladen. Es geht hier eben nicht um einen Spruch, den sich jemand abgeschaut hat, sondern um eine kreative Schöpfung meinerseits und letztendlich um die Arbeit, die ich mir gemacht habe. Wenn es darum geht, dass sich jemand etwas von anderen abschaut: bin ich kein Freund von, aber kann man machen. Muss man letztendlich mit leben. Doch wenn es darum geht, dass sich einfach an den Inhalten anderer bedient wird und als ihre ausgegeben wird, hört der Spaß auf. Den Scheiß muss man sich selbst erarbeiten und sich nicht an anderen bereichern. Solche Leute sind für mich unten durch.

Also schrieb ich einen Kommentar…

Jetzt wird’s aber kriminell. Jungs. Langsam reicht’s. Ihr begeht hier ganz klar Urheberrechtsverletzung. Dieses Motiv wurde von mir entworfen und ihr gebt das gerade als eures aus. Solltet ihr dies nicht entfernen werde ich rechtliche Schritte einleiten.

 

Dann ging der Shitstorm los…

Nach meinem Kommentar folgte eine Flut an Kommentaren von Leuten für die das Internet noch Neuland ist und die denken, alles im Netz sei frei für jeden verfügbar. Doch es blieb nicht nur dabei, dass die Leute schlichtweg kein Verständnis für die Arbeit digitaler Inhalte haben, sondern ich durfte mich von einigen Seiten beleidigen lassen. Ein gefundenes Fressen um einige Konter zu verteilen und den Leuten aufzuklären wie eigentlich diese sozialen Plattformen funktionieren. Wobei man das Wort “sozial” in diesem konkreten Sachverhalt gar nicht in den Mund nehmen darf.

Die Anmeldung bei Social Media ist nicht die Einladung zum “All you can copy”

Dieser Kommentar hat mir schon die Socken ausgezogen. Also, wenn ich etwas irgendwo im Netz poste, stelle ich es allen zur Verfügung und jeder kann damit machen, was man will? Ich denke nicht. Facebook ist keine Tauschbörse an der sich jeder einfach bedienen kann. Hier gelten dennoch jegliche Rechte. Das Recht des Urheberrechts. Mit einem Post mache ich nicht den Marktschreier und sage:

“Leute! Meine Wohnungstür ist offen. Alles was ich gekauft habe, gehört auch euch. Bedient euch einfach.”

Darauf schrieb ich eine passende Antwort um ihr klar zu machen, dass ein Post keine Einladung zur Urheberrechtsverletzung ist:

Lies mal die AGB von Facebook!

Ich habe so viele nette Hinweise bekommen, dass ich doch mal die AGB von Facebook lesen sollte. Alles was ich poste gehört Facebook. Ach… Jeder der auf der Plattform registriert ist, arbeitet bei Facebook? Ich verrate mal ein Geheimnis, dass sogar weitererzählt werden darf. Facebook ist eine Firma, nicht nur die Plattform auf der Leute sich vernetzen. Facebook sichert sich tatsächlich jegliche Rechte und mit dem Hochladen von Bildern, Videos etc. spielst du das Spiel mit. Das bedeutet jedoch nicht, dass jede einzelne Person Eigentum an den Posts von anderen hat. Ich appelliere sehr daran, dass man sich doch bitte mit den Richtlinien vernünftig auseinandersetzen sollte, wenn man diese Plattform benutzt. Andernfalls wäre es für die entsprechende Person besser ihre Meinung für sich zu behalten. Ein Elfmeter für mich, den ich gerne verwandelt habe.

Die Heulsuse muss sich kurz Taschentücher holen

Dieser Kommentar strotzt vor lauter aussagekräftigen Argumenten und handfesten Fakten. Doch aufs Thema Geld konnte ich eingehen und als Heulsuse habe ihn gerne aufgeklärt. Ich frage mich echt oft, was in den Köpfen solcher Menschen vor sich geht. Wahrscheinlich wurden nicht alle Punkte vom Wunschzettel erfüllt und man muss seinen Unmut irgendwie in die Welt kundtun. Heutzutage ist es leider oft so, dass die Leute lieber direkt ihr Halbwissen verbreiten, statt sich mit der Thematik konkret auseinanderzusetzen. Hätte er das getan, wäre ihm aufgefallen dass sich hinter diese Seite eine Firma verbirgt und sie öfters Affiliate-Links teilen.

Social Media und Respekt sind Böhmische Dörfer

Vernünftig diskutieren bei Facebook klappt so gut wie die Busverbindung auf dem Dorf. Kaum bis gar nicht. Was ich für unterirdische Kommentare lesen durfte, wo ich mich gefragt habe welche Motivation die dahinter haben. Ist ja nicht mal so, dass ich eine einzelne Person angegriffen habe, sondern ich habe unter dem Bild meine Unmut kund getan. Manche Personen haben Kommentare verfasst als müssten sie um etwas kämpfen, damit sie noch die letzte Scheibe Brot bekommen. Wobei… Bei einigen Kommentaren könnte ich mir das sogar vorstellen, da geht es am Monatsende nur noch mit Brot und Butter zu. Aber die Jogginghose von Adidas. Ganz wichtig. Schön entspannt bleiben, Konter verteilen und sachlich bleiben.


Urheberrechtsverletzung gibt der Arbeit einen Sinn?

Wahrscheinlich muss man das so sehen, wenn man die Sachen von anderen kopiert. Gib dem Kind einfach einen anderen Namen, dann passt’s. Es ist völlig irrelevant welche Motivation hinter einem Werk steckt. Außerdem kennt er nicht mal die Geschichte hinter diesem Motiv, die für mich persönlich einen großen Wert hat. Mit der Zeit ist mir eines in vielen Gesprächen aufgefallen. Vielen Leuten fällt es wirklich schwer anderes zu akzeptieren und sei es die Motivation hinter etwas. In deinen Augen ist es verschwendete Zeit, in meinen könnte es die geilste Zeit meines Lebens sein. Wer definiert eigentlich den Sinn, der dahinterstecken muss?

Hier würden zwei Kommentare stehen, wenn derjenige nicht mittlerweile seine Kommentare unter dem Beitrag gelöscht hätte… Hat wohl doch nochmal zum Nachdenken angeregt…

 

 

Du musst das Werk verunstalten. Watermarks.

Ich arbeite nicht bei Mercedes und schraube auch keine AMG Motoren zusammen, dass ich auf all meine Arbeit meinen Namen schreiben muss. Aus Prinzip tue ich das schon nicht, da es nicht in meiner Pflicht ist dadurch meine Arbeit zu schützen. Sie ist ohnehin geschützt. Nur bekommt derjenige Probleme, der meine Arbeit ohne Erlaubnis verwendet. Nicht ich. Derjenige liegt in der Schuld sich vernünftig zu informieren.

Keine Wertschätzung. Das ist doch keine Arbeit.

Ich arbeite seit Jahren als Designer für digitale Medien und muss mich oft mit den Meinungen rumschlagen, dass das alles ja total einfach sei. Kreative Arbeit wird in der Gesamtheit unterschätzt. Leider sehen die Leute nicht, dass man eine Aufgabe oder Problem hat, vor einem weißen Papier sitzt und man sich nun etwas ausdenken muss. Es gibt keine festen Abläufe oder kein Template, was ich immer wieder abspulen kann. Bis zum fertigen Ergebnis könnte  es zehn andere Entwürfe gegeben habe, die es aber alle nicht geschafft haben weiterentwickelt zu werden. Es ist nicht so, dass wir uns eben fünf Minuten hinsetzen und dann haben wir etwas fertiges erschaffen. Teilweise brauchen wir Tage für einen Entwurf. Es gibt Tage an denen der Kopf nicht so kreativ arbeiten will, wie ich das gerne hätte. Stell dir vor du hättest als Handwerker einen Tag eine Verstauchung und musst trotzdem arbeiten. Geht alles nicht so richtig gut und schnell. So ist das wenn der Kopf mal an einem Tag nicht so richtig bei der Sache ist.

Schlusswort

Ich werde tatsächlich rechtlich gegen diese Sache vorgehen. Wäre eine Privatperson hinter dieser Seite, würde ich das entspannter sehen. Hier geht es allerdings um eine Firma. Ein Unternehmen arbeitet immer mit Gewinnabsichten. Das ist der Grundsatz eines Unternehmens. Durch die Verbreitung urheberrechtlichen Materials, kurbeln sie die Reichweite an und die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass die Leute auf die Links klicken wodurch sie Geld verdienen. Sie bereichern sich selber durch die Arbeit anderer und zeigen eine geringe Wertschätzung der kreativen Arbeit.

Am meisten hat mich aber geschockt, dass wirklich sehr viele Menschen denken sie könnten alles im Netz kostenlos bekommen und verbreiten wie sie das möchten. Facebook ist keine legale Tauschbörse an der sich jeder bedienen kann.

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